Wir hatten den Verein eingetragen bekommen sowie eine Immobilie und Mitstreiter gefunden. Die Lizenz wirkte auf uns wie die letzte Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen Cannabisanbau. Wir hatten es fast geschafft. Mit geschlossenen Augen konnten wir unsere Felder beinahe schon riechen. Jetzt geht es los!
Nun. Wer die bisherigen Blog-Einträge gelesen hat sollte bereits ahnen, wie inkompatibel die Realität mit den eigenen Ideen manchmal ist. Das KCanG sieht vor, dass die Einzelheiten der Regulierung, Überwachung und Genehmigung der Vereine Ländersache seien. Kurz: Die Länder mussten sich selbst überlegen, wie sie das machen wollten. Natürlich hatten wir keine fertig erarbeitete Prozessgestaltung pünktlich zum 1. Juli erwartet. Aber immerhin, ein paar Wochen darauf konnten wir loslegen, merkten aber schnell, dass wir uns auf einen längeren Prozess einstellen mussten: Führungszeugnisse, Gewerbezentralregisterauszüge, Präventionsschulungsnachweise… Und dann die Konzepte. Viele, viele Konzepte: Sicherungs- und Schutzkonzepte, Gesundheits- und Jugendschutzkonzepte, Probenahmen- und Qualitätssicherungskonzepte, Transportkonzepte, Rückrufkonzepte, Dokumentationskonzepte… Ja; ich könnte so weiter machen.
Was uns in den 10 folgenden Monaten alles an Korrespondenz, Entwürfen, Änderungswünschen, Korrekturen, erneuten Änderungswünschen, neuen Regelungen etc. widerfahren ist, möchte ich Dir ersparen. Manchmal fühlten wir uns wie Figuren in einem Kafka-Roman, oder wie Asterix auf der Suche nach dem Passierschein A38. Dabei möchte ich keinesfalls sagen, dass uns von den Behörden politisch motivierte Ablehnung oder absichtliche Verzögerung entgegenkam. Vielmehr wurden wir mit der normalen Härte der deutschen Bürokratie konfrontiert. Und das alles lief parallel zur Immobiliensuche und den anschließenden Baumaßnahmen.
